Dienstunfähigkeitsversicherung nach 5 Jahren kündigen? Warum das ein teurer Fehler ist
„Ich habe ja jetzt die 1.800 Euro vom Dienstherrn" – der teuerste Irrtum Ihrer Beamtenlaufbahn
Lesedauer: ca. 8 Minuten · Speziell für Beamtinnen und Beamte · Aktualisiert 2025
Fünf Jahre im Dienst, die Mindestversorgung greift – und schon liegt der Gedanke nahe: „Wozu noch eine private DU-Versicherung, wenn der Dienstherr doch zahlt?" Klingt logisch. Ist es aber nicht. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, warum die 1.800 Euro Mindestversorgung eine gefährliche Illusion sind, was nach Steuern und PKV wirklich übrig bleibt und welche klügere Alternative es gibt, statt einfach zu kündigen.
Was „dienstunfähig" wirklich bedeutet
Dienstunfähigkeit heißt: Sie können Ihre Dienstpflichten aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr erfüllen. Nicht „ein bisschen eingeschränkt", nicht „mit Anpassungen" – sondern gar nicht mehr. Das Amtsarztgutachten entscheidet, und die Hürde ist hoch.
Die häufigsten Ursachen sind psychische Erkrankungen wie Burnout und Depressionen (rund 35 % aller Fälle), Probleme am Bewegungsapparat wie Bandscheibenvorfälle (30 %) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (15 %). Das Durchschnittsalter liegt bei 49 bis 52 Jahren – also nicht kurz vor der Pension, sondern mitten in der teuersten Lebensphase: Immobilie läuft, Kinder kosten, Lebensstandard ist aufgebaut.
Die 1.800-Euro-Illusion: Was wirklich auf Ihrem Konto landet
1.800 Euro brutto klingt nach etwas. Aber von diesem Betrag gehen Steuern, PKV-Beitrag, Pflege- und ggf. Kirchensteuer ab. Schauen wir uns die Rechnung an:
Rund 1.000 Euro netto. Davon sollen Miete oder Kreditrate, Lebenshaltung, Familie und Altersvorsorge bezahlt werden. Das ist für die allermeisten schlicht unmöglich.
Ein Single kommt in den meisten Regionen auf 1.550 bis 2.200 Euro monatliche Fixkosten. Eine Familie mit zwei Kindern und Immobilienkredit liegt schnell bei 2.700 bis 3.950 Euro. Der Fehlbetrag zur Mindestversorgung beträgt also zwischen 550 und fast 3.000 Euro – jeden Monat.
Und genau hier lautet die entscheidende Frage: Wo soll das Geld herkommen, wenn die private DU-Versicherung bereits gekündigt ist?
Fünf Gründe, warum eine Kündigung Sie ruinieren kann
1. Das eingefrorene Gehalt
Die 1.800 Euro sind an Ihre Dienstzeit gekoppelt – sie wachsen nicht mit. Während Kolleginnen und Kollegen von A11 auf A13 oder A14 aufsteigen und ihre Versorgungsansprüche ausbauen, bleiben Sie bei derselben Summe stehen. Wer mit 42 Jahren in A11 dienstunfähig wird, bekommt netto rund 1.000 Euro – während vergleichbare Kollegen mit 60 bei über 4.000 Euro netto liegen. Das ist keine Versorgung, das ist ein finanzieller Stillstand über Jahrzehnte.
2. Die Inflation arbeitet gegen Sie
Die Mindestversorgung wird nicht automatisch an die Kaufkraft angepasst – jedenfalls nicht in gleichem Maße wie die Lebenshaltungskosten steigen. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 2 % entsprechen 1.800 Euro in zehn Jahren einer Kaufkraft von etwa 1.475 Euro, in zwanzig Jahren nur noch rund 1.210 Euro. Netto heißt das: Ihre Versorgung schrumpft real auf unter 700 Euro in heutiger Kaufkraft. Jedes Jahr ein Stück mehr.
3. Der Weg zurück ist extrem teuer – oder unmöglich
Angenommen, Sie kündigen mit 32 und merken mit 40, dass es doch eng wird. In den acht Jahren dazwischen hatten Sie Rückenprobleme (wer nicht?), waren mal wegen Stress krankgeschrieben und nehmen vielleicht Blutdrucktabletten. Was passiert dann bei einer Neubeantragung?
Im besten Fall bekommen Sie einen Vertrag mit Ausschlussklauseln für Rücken und Psyche – also genau die Bereiche, die für 65 % aller Dienstunfähigkeitsfälle verantwortlich sind. Dazu kommt ein Risikozuschlag von 100 bis 150 % und der altersbedingt höhere Grundbeitrag. Was Sie mit 28 für 50 Euro im Monat bekommen haben, kostet jetzt 180 Euro – wenn Sie überhaupt noch genommen werden. Im schlechtesten Fall heißt es einfach: Ablehnung.
4. Sie verlieren Ihre Nachversicherungsgarantien
Das ist der Punkt, den die meisten unterschätzen. In guten DU-Tarifen stecken Nachversicherungsgarantien – das Recht, Ihre versicherte Rente bei bestimmten Lebensereignissen zu erhöhen, ganz ohne neue Gesundheitsprüfung. Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf, Beförderung – bei all diesen Anlässen können Sie Ihren Schutz aufstocken, selbst wenn Sie inzwischen gesundheitlich nicht mehr makellos sind.
Diese Garantien sind bares Geld wert. Einmal gekündigt, sind sie unwiderruflich weg. Sie können sie nicht zurückkaufen und kein neuer Versicherer wird Ihnen vergleichbare Konditionen bieten.
5. Die Statistik ist unbequem, aber ehrlich
Etwa jeder vierte Beamte wird vor der regulären Pension dienstunfähig. Bei Lehrern liegt die psychische Belastung als Ursache bei rund 50 %, bei der Polizei bei ca. 45 %. Die durchschnittliche Dauer bis zur regulären Pension beträgt 15 bis 18 Jahre.
15 Jahre × 1.500 Euro Versorgungslücke = 270.000 Euro Verlust im Ernstfall.
Dagegen stehen: 15 Jahre × 50 Euro/Monat = 9.000 Euro Gesamtbeitrag.
Sie sparen 9.000 Euro und riskieren dafür 270.000 Euro. Das ist kein guter Tausch.
Die kluge Alternative: Anpassen statt kündigen
Die richtige Reaktion auf die Mindestversorgung nach fünf Jahren ist nicht die Kündigung, sondern eine Überprüfung. Möglicherweise können Sie Ihren Beitrag sinnvoll senken, ohne den Schutz komplett aufzugeben. So gehen Sie vor:
Schritt 1: Versorgungslücke berechnen
Ziehen Sie von Ihrem aktuellen Nettoeinkommen die realistische Netto-Mindestversorgung (ca. 1.050 Euro) ab. Die Differenz ist Ihre Versorgungslücke – der Betrag, den Ihre private DU-Versicherung im Ernstfall abdecken sollte.
Schritt 2: Abgleich mit Ihrem Vertrag
Vergleichen Sie Ihre Versorgungslücke mit der versicherten DU-Rente. Dann zeigt sich, ob Sie über- oder unterversichert sind oder ob es genau passt.
Szenario A – Sie verdienen 2.500 Euro netto: Versorgungslücke 1.450 Euro. Ihre DU-Rente liegt bei 1.779 Euro. Sie sind leicht überversichert und können um 300 Euro Rente reduzieren. Der Beitrag sinkt proportional.
Szenario B – Sie verdienen 3.500 Euro netto: Versorgungslücke 2.450 Euro. Ihre DU-Rente liegt bei 1.779 Euro. Sie sind sogar unterversichert um 671 Euro. Kündigung wäre hier fatal – prüfen Sie stattdessen, ob Sie über Nachversicherungsgarantien erhöhen können.
Szenario C – Sie verdienen 2.850 Euro netto: Versorgungslücke 1.800 Euro. Ihre DU-Rente von 1.779 Euro passt fast perfekt. Einfach so lassen.
Schritt 3: Anpassung – in fünf Minuten erledigt
Eine Reduzierung der DU-Rente erfordert keine Gesundheitsprüfung und keinen Papierkram. Eine kurze E-Mail an Ihren Versicherer genügt:
Anpassung meiner Dienstunfähigkeitsrente
Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte reduzieren Sie meine versicherte DU-Rente ab dem 01.[nächster Monat] um [Betrag] Euro.
Versicherungsnummer: [Ihre Nummer]
Bitte senden Sie mir die Bestätigung und den angepassten Beitrag zu.
Mit freundlichen Grüßen
Der Beitrag sinkt proportional zur Rentenreduzierung. 30 % weniger Rente bedeutet auch rund 30 % weniger Beitrag.
Drei echte Fälle – drei verschiedene Ausgänge
Mit 46 schwerer Burnout, dienstunfähig geschrieben. Mindestversorgung netto: 1.020 Euro. Immobilienkredit: 980 Euro. Fehlbetrag: 800 bis 1.000 Euro monatlich, die aus Ersparnissen gedeckt werden müssen.
„In vier Jahren sind meine Rücklagen aufgebraucht. Dann muss ich das Haus verkaufen. Für 45 Euro im Monat hätte ich mir das alles erspart."
Mit 43 Bandscheibenvorfall, dienstunfähig. Netto-Versorgung: 990 Euro. Lebenshaltung als Single: 1.350 Euro. Fehlbetrag: 360 Euro jeden Monat.
„Ich lebe von der Hand in den Mund. Altersvorsorge? Undenkbar. Letzte Woche ging mein Kühlschrank kaputt – ich musste ihn auf Raten kaufen. Mit 44."
Mit 50 Herzinfarkt, dienstunfähig. Mindestversorgung netto: 1.030 Euro. Private DU-Rente: 1.900 Euro. Gesamteinkommen: 2.930 Euro. Immobilienkredit (870 Euro) und Lebenshaltung (1.700 Euro) sind gedeckt – sogar 360 Euro Überschuss bleiben.
„Die 62 Euro Beitrag waren die beste Investition meines Lebens. Meine Familie ist versorgt, wir mussten nichts verkaufen."
Der Unterschied zwischen den drei Fällen? Nicht Glück. Sondern eine einzige Entscheidung.
Kündigen vs. intelligent anpassen – der Vergleich
Kündigung
- Ersparnis: ca. 9.000 € über 15 Jahre
- Verlust im Ernstfall: bis zu 270.000 €
- Nachversicherungsgarantien unwiderruflich weg
- Neuer Vertrag oft unmöglich oder unbezahlbar
- Risiko: Altersarmut, Zwangsversteigerung
Intelligente Anpassung
- Ersparnis: 3.000–5.000 € über 15 Jahre
- Schutz bleibt passgenau erhalten
- Nachversicherungsgarantien gesichert
- Jederzeit wieder erhöhbar (ohne Gesundheitsprüfung)
- Lebensstandard und Familie abgesichert
Kostenloser DU-Check: Passt Ihre Absicherung noch?
Wir berechnen Ihre echte Versorgungslücke, analysieren Ihren bestehenden DU-Vertrag und geben Ihnen eine konkrete Empfehlung – ob reduzieren, erhöhen oder so lassen. Unverbindlich und ohne Verkaufsdruck, denn unsere Berater arbeiten auf Festgehalt, nicht auf Provision.
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Häufige Fragen
Fazit: 50 Euro oder 270.000 Euro – Sie entscheiden
Für rund 50 Euro im Monat – also weniger als 2 Euro am Tag – sichern Sie sich im Ernstfall zwischen 1.500 und 2.000 Euro zusätzliche Monatsrente. Über 15 Jahre gerechnet schützen 9.000 Euro Beitrag vor einem Verlust von bis zu 270.000 Euro. Einen besseren Return gibt es nirgends.
Kündigen Sie niemals einfach Ihre DU-Versicherung. Prüfen Sie stattdessen, ob eine Anpassung sinnvoll ist. Behalten Sie die Nachversicherungsgarantien. Und wenn Sie unsicher sind, lassen Sie uns gemeinsam draufschauen – kostenlos, ehrlich und ohne Hintergedanken.
Die 1.800 Euro brutto klingen beruhigend. Die 1.000 Euro netto sind die Realität. Eine Kündigung spart kurzfristig wenig und kostet langfristig alles. Die kluge Lösung heißt: anpassen, nicht aussteigen.
P.S.: Kennen Sie Kolleginnen oder Kollegen, die über eine Kündigung nachdenken? Teilen Sie diesen Artikel – Sie könnten ihnen damit Hunderttausende Euro ersparen.
P.P.S.: Mehr zum Thema Dienstunfähigkeit für spezifische Berufsgruppen finden Sie in unseren Ratgebern für Lehrer, Referendare und Polizeibeamte.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Alle genannten Zahlen sind Durchschnittswerte und können je nach individueller Situation abweichen. Für eine persönliche Beratung kontaktieren Sie uns gerne unter beamtenberatung-plus.de/kontakt oder telefonisch unter 0721 358 369.
