BEIHILFE EINFACH ERKLÄRT · SEIT 1983 SPEZIALISIERT AUF BEAMTE

Wie funktioniert die Beihilfe?

Warum dein Dienstherr 50–80 % deiner Arztkosten direkt übernimmt – und wie du dieses System optimal für dich nutzt. Ohne Behörden-Deutsch, dafür mit klaren Beispielen.

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Das Beihilfe-Prinzip in 30 Sekunden: Als Beamter bekommst du keinen Arbeitgeberzuschuss zur Krankenversicherung wie ein Angestellter. Stattdessen zahlt dein Dienstherr – Bund, Land oder Kommune – einen festen Prozentsatz deiner tatsächlichen Krankheitskosten direkt. Das ist die Beihilfe – sie übernimmt je nach Situation 50 %, 70 % oder 80 %. Den verbleibenden Anteil sicherst du über eine private Krankenversicherung (PKV) ab. Weil du nur diesen Rest versichern musst, ist die PKV für Beamte deutlich günstiger als eine Vollversicherung. Beihilfe und PKV ergeben zusammen einen nahezu lückenlosen Schutz.

50 %BeihilfeBeamte ohne oder mit 1 Kind
70 %BeihilfeBeamte ab 2 Kindern · Pensionäre
80 %Beihilfeberücksichtigungsfähige Kinder

So läuft die Beihilfe ab – Schritt für Schritt

Anders als GKV-Versicherte gehst du als Beamter in Vorleistung: Du bekommst die Arztrechnung, reichst sie ein und lässt sie dir erstatten. Klingt aufwendiger, ist es dank App heute aber nicht mehr.

1

Du gehst zum Arzt

Ob Hausarzt, Facharzt oder Krankenhaus – du wirst wie ein Privatpatient behandelt.

2

Du bekommst die Rechnung

Du erhältst die volle Arztrechnung nach hause – nicht die Praxis mit der Kasse.

3

Du reichst ein

Rechnung an Beihilfestelle und PKV schicken – heute meist bequem per App.

4

Du bekommst Geld

Beihilfe und PKV erstatten gemeinsam – bei passendem Tarif nahezu 100 %.

📋 Beispielrechnung: Arztbesuch mit 50 % Beihilfe

  • Arztrechnung gesamt200,00 €
  • Beihilfe erstattet (50 %)100,00 €
  • PKV erstattet (50 %)100,00 €
  • Dein Eigenanteil0,00 €

⏱️ Wie schnell wird erstattet?

Die Beihilfestelle überweist in der Regel innerhalb von 1–3 Wochen, die PKV oft noch schneller – viele Versicherer innerhalb weniger Tage. Mit Apps wie „Meine Beihilfe" oder den Apps der Versicherer geht das Einreichen heute per Foto in Sekunden. Papierberge und Wartezeiten am Kopierer sind Vergangenheit.

Die Beihilfesätze im Detail

Wie viel Prozent die Beihilfe übernimmt, hängt von deiner Lebenssituation ab. Die folgenden Sätze gelten in den meisten Beihilfeverordnungen – im Detail regelt jedes Bundesland seine eigene Verordnung, deshalb lohnt der genaue Blick.

PersonengruppeBeihilfesatzPKV-AnteilBedeutung
Beamte/r ohne Kinder50 %50 %Standardfall für Singles und Paare ohne Kinder
Beamte/r mit 1 Kind50 %50 %Noch keine Erhöhung des eigenen Satzes
Beamte/r mit 2+ Kindern70 %30 %Ab dem 2. Kind steigt dein eigener Satz auf 70 %
Ehepartner (ohne höheres Einkommen)70 %30 %Einkommensgrenze meist rund 20.000 € – je nach Bundesland
Berücksichtigungsfähige Kinder80 %20 %Höchster Satz – Kinder kosten in der PKV oft nur ca. 25–45 €
Pensionäre70 %30 %Im Ruhestand steigt dein Satz automatisch auf 70 %

🎉 Der Familien-Bonus

Sobald du zwei berücksichtigungsfähige Kinder hast, springt dein Beihilfesatz von 50 % auf 70 %. Das heißt: Du brauchst nur noch einen 30 %-PKV-Tarif – dein Monatsbeitrag kann spürbar sinken. Und als Pensionär behältst du die 70 %, auch wenn die Kinder längst aus dem Haus sind. Genau solche Konstellationen entscheiden über hunderte Euro im Monat – und werden von Online-Rechnern gern übersehen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Beihilfesätze im Detail.

Beihilfe nach Bundesland: die wichtigsten Unterschiede

Die Beihilfe ist Ländersache. Die Grundprinzipien ähneln sich, aber in Erstattungsdetails, Höchstsätzen und Sonderregeln gibt es echte Unterschiede. Bund, Land und Kommune rechnen jeweils nach eigener Verordnung ab.

🏛️ Bund

Standard-Beihilfesätze (50/70/80 %). Gilt für alle Bundesbeamten.

🦁 Bayern

Traditionell großzügige Beihilfe mit guter Erstattungspraxis.

🐻 Baden-Württemberg

Eigene, zum 01.01.2026 neu gefasste BVO. Kostendämpfungspauschale beachten.

🏰 NRW

Größtes Bundesland. Kostendämpfungspauschale seit 2022 abgeschafft.

🌊 Hamburg

Pauschale Beihilfe als Alternative möglich – Vor- und Nachteile genau prüfen.

🐎 Niedersachsen

Ebenfalls mit pauschaler Beihilfe als Wahloption seit einigen Jahren.

Alle 16 Länder samt Bund findest du gebündelt im Beihilfe-Hub Bund & Länder – mit eigener Seite pro Bundesland:

⚠️ Pauschale Beihilfe: sieht günstig aus – ist es meistens nicht

Inzwischen bieten zehn Bundesländer die sogenannte pauschale Beihilfe an: Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (in Schleswig-Holstein nur für bestimmte Gruppen). Statt der klassischen Beihilfe bekommst du einen festen Zuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung. Auf den ersten Blick wirkt das wie die einfache, günstige Lösung. In den allermeisten Fällen ist es das aber nicht:

  • Die aktive PKV ist für die meisten Beamten schon heute günstiger – und leistet mehr als die GKV.
  • In der GKV fehlt der Alters-Rückstellungseffekt; rund die Hälfte der Ersparnis verpufft über die Jahre.
  • Die günstige beitragsfreie Familienmitversicherung kann bei Einkommen des Partners wegfallen.
  • Kürzt die GKV Leistungen (Zahnersatz, Hilfsmittel), trägst du die Lücke selbst – als versteckte Selbstbeteiligung.
  • Die Entscheidung ist in der Regel unwiderruflich – ein Rückweg in die klassische Beihilfe ist kaum möglich.

Für rund 90 % der Beamten lohnt sich die pauschale Beihilfe langfristig nicht. Wir rechnen dir beide Varianten neutral durch – auch die, bei der wir am Ende weniger verdienen. Tiefer einsteigen kannst du in unserem großen Vergleich PKV oder GKV als Beamter.

Was die Beihilfe zahlt – und was nicht

✅ Das wird übernommen

  • Ambulante Arztbehandlungen
  • Stationäre Krankenhausbehandlung
  • Zahnbehandlung und Zahnersatz (mit Grenzen)
  • Verschreibungspflichtige Medikamente
  • Heilmittel (Physiotherapie, Ergotherapie u. a.)
  • Hilfsmittel (Brillen, Hörgeräte u. a.)
  • Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen
  • Schwangerschaft und Geburt
  • Rehabilitationsmaßnahmen

✕ Nicht oder nur begrenzt

  • Rezeptfreie Medikamente: meist nicht beihilfefähig
  • Chefarztbehandlung: nur wenn medizinisch notwendig
  • Einzelzimmer: Aufpreis meist nicht beihilfefähig
  • Zahnersatz: oft nur 50–65 % der Kosten
  • Sehhilfen: nur bei stärkerer Fehlsichtigkeit
  • Heilpraktiker: begrenzt oder gar nicht
  • Auslandsbehandlung: außerhalb der EU nur begrenzt

💡 Genau deshalb brauchst du die PKV

Die Beihilfe erstattet viel, aber nicht alles zu 100 %. Genau hier setzt die PKV an: Ein guter Beihilfe-Ergänzungstarif schließt die Lücken – vom Eigenanteil beim Zahnersatz über Chefarztbehandlung bis zum Einzelzimmer. Welche Leistung wie tief abgesichert ist, entscheidet der Tarif. Und da liegen zwischen den Anbietern Welten. Wie du das für die Selbstrecherche systematisch angehst, zeigt dir unser Ratgeber zu den PKV-Kosten für Beamte.

Beihilfe und PKV: das perfekte Zusammenspiel

Beihilfe und PKV sind wie zwei Puzzleteile, die zusammen ein Ganzes ergeben. Die Beihilfe übernimmt 50–80 % deiner erstattungsfähigen Kosten direkt – je nach Familiensituation und Bundesland. Die PKV übernimmt den Rest und zusätzliche Leistungen, die die Beihilfe nicht oder nicht voll trägt. Du zahlst nur den Beitrag für deinen Anteil: Bei 50 % Beihilfe genügt eine 50 %-PKV – deshalb ist sie so günstig. Das Ergebnis: nahezu vollständige Kostenübernahme, bessere Leistungen als in der GKV und ein niedrigerer Beitrag, als ihn ein Angestellter mit gleichem Einkommen zahlt.

Praxisbeispiel: Krankenhaus-Aufenthalt

Situation: 5 Tage Krankenhaus, Einzelzimmer, Chefarztbehandlung. Gesamtkosten: 8.500 €. So teilt sich das bei 50 % Beihilfe auf:

PositionBeihilfe (50 %)PKVDein Eigenanteil
Krankenhaus-Grundleistung3.000 €3.000 €0 €
Chefarzt-Zuschlag0 €1.500 €0 €
Einzelzimmer-Zuschlag0 €1.000 €0 €
Gesamt3.000 €5.500 €0 €

Die PKV springt genau dort ein, wo die Beihilfe aufhört – vorausgesetzt, dein Tarif hat Chefarzt und Einzelzimmer überhaupt eingeschlossen. Deshalb ist die Tarifwahl kein Detail, sondern die eigentliche Entscheidung.

Die häufigsten Beihilfe-Irrtümer

Irrtum 1: „Die Beihilfe ist wie eine Versicherung"

Falsch. Die Beihilfe ist keine Versicherung, sondern eine Fürsorgeleistung deines Dienstherrn – du zahlst keine Beiträge dafür. Aber sie allein reicht nicht: Für den Rest brauchst du zwingend eine PKV (oder GKV).

Irrtum 2: „Mit Beihilfe brauche ich keine Krankenversicherung"

Gefährlich falsch. Die Beihilfe zahlt nur 50–80 %. Ohne PKV bleibst du auf 20–50 % aller Kosten sitzen – bei einer schweren Erkrankung schnell ein fünfstelliger Betrag.

Irrtum 3: „Die Beihilfe zahlt alles"

Nicht ganz. Die Beihilfe hat Höchstgrenzen und Ausschlüsse. Zahnersatz, Sehhilfen, Heilpraktiker – vieles wird nur begrenzt erstattet. Eine gute PKV schließt diese Lücken.

Irrtum 4: „Beihilfe ist kompliziert und dauert ewig"

Nicht mehr. Mit modernen Apps reichst du Rechnungen per Foto in Sekunden ein, die Erstattung kommt meist in 1–2 Wochen.

Irrtum 5: „Als Pensionär fällt die Beihilfe weg"

Das Gegenteil ist der Fall. Als Pensionär steigt dein Beihilfesatz sogar auf 70 %. Die Beihilfe begleitet dich ein Leben lang – das ist einer der größten Vorteile des Systems.

Beihilfe beantragen: so geht's

Erstantrag bei Verbeamtung

Beim ersten Antrag – der Festsetzung deiner Beihilfeberechtigung – brauchst du in der Regel: den Antrag auf Festsetzung der Beihilfe (Formular deiner Beihilfestelle), eine Kopie der Ernennungsurkunde, eine Meldebescheinigung, Angaben zu berücksichtigungsfähigen Familienangehörigen und deine Bankverbindung. Wichtig zu wissen: Deinen Beihilfeanspruch hast du schon als Anwärter oder Referendar – also als Beamter auf Widerruf.

📱 Per App (empfohlen)

Rechnung fotografieren, hochladen, fertig. Die meisten Beihilfestellen und Versicherer bieten Apps – schnell und papierlos.

📧 Per Portal / Post

Viele Beihilfestellen haben Online-Portale für PDF-Uploads. Der klassische Postweg mit Formular und Belegen funktioniert weiter, dauert aber am längsten.

💡 Profi-Tipp: Sammelantrag

Du musst nicht jede kleine Rechnung einzeln einreichen. Sammle Belege und reiche sie gebündelt ein, etwa monatlich oder quartalsweise. Das spart dir Zeit – und viele Beihilfestellen bearbeiten Sammelanträge sogar zügiger.

Beihilfe und PKV optimal kombinieren

Der richtige PKV-Tarif muss exakt zu deinem Beihilfesatz passen. Sonst zahlst du entweder zu viel oder hast Lücken:

Dein BeihilfesatzPassender PKV-TarifTypischer Beitrag (Richtwert)
50 % (Standard)50 %-Tarifca. 180–280 € / Monat
70 % (ab 2 Kinder / Pensionär)30 %-Tarifca. 100–180 € / Monat
80 % (Kinder)20 %-Tarifca. 25–45 € / Monat

⚠️ Häufiger Fehler

Manche Beamte wählen aus Unwissenheit einen 100 %-PKV-Tarif statt eines Beihilfe-Ergänzungstarifs. Das ist rund doppelt so teuer wie nötig. Achte unbedingt darauf, dass dein Tarif zu deinem Beihilfesatz passt – dieser eine Punkt entscheidet über tausende Euro über die Jahre.

„Die Kombination aus Beihilfe und PKV ist das beste Krankenversicherungssystem, das es in Deutschland gibt. Aber nur, wenn beide Teile optimal aufeinander abgestimmt sind. Ein falscher Tarif kann dich über die Jahre zehntausende Euro kosten – und weil unsere Berater auf Festgehalt arbeiten, sagen wir dir das auch dann, wenn wir daran nichts verdienen. Das ist für mich #besserberaten."

– Bernd Krause, Geschäftsführer Beamtenberatung Plus

Häufige Fragen zur Beihilfe

Ab wann habe ich Anspruch auf Beihilfe?
Ab dem ersten Tag deiner Verbeamtung – auch als Beamter auf Widerruf oder Probe. Referendare und Beamtenanwärter haben vollen Beihilfeanspruch. Mehr dazu in unserem Beihilfe-Guide für Anwärter und Referendare.
Bekommt meine Familie auch Beihilfe?
Ja. Dein Ehepartner erhält 70 % Beihilfe, sofern sein Einkommen unter der Grenze liegt (meist rund 20.000 €, je nach Bundesland). Berücksichtigungsfähige Kinder bekommen sogar 80 %. Das macht die Familienabsicherung in der PKV oft überraschend günstig.
Was passiert mit meiner Beihilfe, wenn ich aus dem Dienst ausscheide?
Bei regulärer Pensionierung behältst du die Beihilfe – sogar mit erhöhtem 70 %-Satz. Bei Kündigung oder Entlassung endet sie; dann brauchst du eine Vollversicherung. Deshalb sind flexible Tarifoptionen bei jungen Beamten so wichtig.
Kann ich zwischen klassischer und pauschaler Beihilfe wechseln?
In den Ländern mit pauschaler Beihilfe ist die Wahl meist einmalig und mit Fristen verbunden – und in der Regel unwiderruflich. Diese Entscheidung sollte gut durchgerechnet sein. Wir vergleichen beide Varianten für dich: PKV oder GKV als Beamter.
Wie lange dauert die Erstattung?
In der Regel 1–3 Wochen. Bei elektronischer Einreichung oft schneller. Größere Beträge werden von manchen Beihilfestellen sogar teilweise vorab ausgezahlt.
Gibt es einen Selbstbehalt bei der Beihilfe?
Einige Länder haben eine Kostendämpfungspauschale – einen kleinen, einkommensabhängigen Eigenanteil pro Jahr (z. B. in Baden-Württemberg). Andere, wie NRW, haben sie abgeschafft. Einen klassischen Selbstbehalt wie in manchen PKV-Tarifen kennt die Beihilfe nicht.

Beihilfe verstanden – und jetzt?

Du weißt jetzt, wie die Beihilfe funktioniert. Der nächste Schritt ist die passende PKV, die exakt zu deinem Beihilfesatz passt. Genau da beginnt die eigentliche Arbeit – und genau da helfen wir.

🔍 Beihilfesatz ermitteln

50 %, 70 % oder 80 %? Dein Satz bestimmt, welchen PKV-Tarif du brauchst.

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